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Deinfluencing & andere Trends

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Erschienen in Feb II 2023 | Social Media
Level: Beginner

„Kauft dieses Produkt nicht! Es ist sein Geld nicht wert!“ Das möchte wohl niemand von über sein oder ihr eigenes Produkt hören. Am schlimmsten ist es wohl, wenn diese Worte von Influencer:innen kommen, die ihre negative Meinung vor tausenden, wenn nicht gar Millionen Follower:innen kundtun. Doch genau das ist ein aktueller TikTok-Trend: Deinfluencing.
Wir erklären dir heute, was es mit dem Trend auf sich hat und wie du ihm entkommen kannst. Außerdem haben wir bei Later weitere Influencer-Marketing-Trends für 2023 identifiziert.

Was steckt hinter Deinfluencing?

Der Hashtag #deinfluencing hat auf TikTok Stand heute (06.02.2023) rund 94,2 Millionen Videoaufrufe generiert. Wir sprechen hier explizit von einem TikTok-Trend, auf Instagram beispielsweise findet man kaum Inhalte zu dem Thema.
Beim Deinfluencing passiert genau das Gegenteil von dem, was Influencer Marketing eigentlich bewirken soll: Influencer:innen geben Produktwarnungen aus und stellen den Zuschauer:innen Produkte vor, von denen sie selbst enttäuscht wurden. In der Regel handelt es sich dabei um Produkte, die sie selbst aufgrund einer TikTok-Anzeige gekauft oder als PR-Sample zugeschickt bekommen haben. Aktuell werden fast ausschließlich Beauty-Produkte kritisiert, beispielsweise der Dyson Airwrap oder das Shampoo und der Conditioner der Marke Olaplex. Prinzipiell kann dieser Trend aber für jede Art von Produkt angewendet werden.

@chez.amelie The deinfluencer #deinfluencing #deinfluencergang #deinfluencer #uggminiplatform #dysonairwrapreview #ameliestanescu #balaclavagirlie #handmadebalaclava #ameliestanescutiktok #ameliestanescu #berlinbabe #whatiworeinparis #berlinstyleinspo #airpodspromax ♬ original sound – Estef

@parissax I can only think of one beauty brand when it comes to deinfluencing… can you guess which one? 😱 #deinfluencer #deinfluencing #deinfluencergang #makeupreview #controversialopinion #charlottetilbury @Charlotte Tilbury #makeuptok #makeuptokcing ♬ original sound – PARISSA | Beauty & Fashion 🖤

In den meisten Fällen ist der Hauptkritikpunkt der Preis eines Produkts. Ziel ist es, laut der Influencer:innen selber, ihre Followerschaft auf den massiven Überkonsum, der in unserer Gesellschaft praktiziert wird, aufmerksam zu machen und sie dazu zu bringen, bewusster mit ihrem Geld umzugehen. Ganz nach dem Motto „Niemand braucht 40 verschiedene Blushes“.

Was haben Influencer:innen vom Deinfluencing?

Influencer:innen leben davon, Produkte in sozialen Medien vorzustellen, mit dem Ziel, dass Follower:innen eben diese Produkte kaufen. Je nach Größe der Followerschaft und Engagement Rates verdienen sie gut und gerne mehrere Tausend Euro pro Post / Video.
Für Deinfluencing hingegen werden sie nicht bezahlt. Kaum ein Unternehmen würde Leute dafür bezahlen, schlecht über ihr Produkt zu reden. Das Zauberwort heißt hier: Glaubwürdigkeit. Influencer:innen werden oft dafür kritisiert, nicht authentisch genug zu sein und Kooperationen mit Marken allein des Geldes wegen anzunehmen, egal ob sie das Produkt tatsächlich privat nutzen oder nicht. Mit dem Deinfluencig wollen sie ihrer Followerschaft zeigen: „Seht her, ich habe das Produkt getestet und teile euch meine ehrliche Meinung dazu mit.“
Im Gegensatz zu der Mission, auf Überkonsum aufmerksam zu machen, nutzen viele das Format des Deinfluencings, um eigene Produkte und sogenannte Dupes vorzustellen. Dupes sind Produkte, die einem teuren Markenprodukt in Qualität und Funktionsweise (vermeintlich) ähneln, aber viel günstiger verkauft werden. Die Storyline dieser Videos verläuft dann meistens nach folgendem Muster: Influencer:in XY kritisiert ein Produkt wegen des hohen Preises und verweist anschließend auf ein sehr ähnliches Produkt, welches viel preiswerter zu haben ist.
Anschließend verweisen viele Influencer:innen auf ihre Amazon-Storefront, wo dieses Produkt zu finden ist. Für jeden Kauf, der über die eigene Amazon-Storefornt getätigt wird, erhält Influencer:in XY eine Kommission.

@alyssastephanie I love deinfluencing ❤️ #deinfluencing #deinfluencergang #cultproduct ♬ original sound – Alyssa ✨

Die Nachhaltigkeits-Influencerin Jess von @impactforgood_ bringt ihre Wut auf den Punkt:a

@impactforgood_ Hopping off the consumption hamster wheel changed my life for the better #ecomimimalism #minimalist #deinfluencing #deinfluencer #sustainabilitytiktok #lifewithless #minimalism #declutter #consciousconsumer #consciousconsumerism #youdontneedit ♬ original sound – Jess – Sustainability

Tatsächlich kann Deinfluencing aber auch negative Auswirkungen auf den Erfolg eines Influencers oder einer Influencerin haben. Es ist gut denkbar, dass Marken aus Angst davor, selbst negative Kritik bekommen, davon absehen, Influencer:innen zu buchen, die Deinfluencing-Videos online gestellt haben.

Für Marken kann Deinfluencing verheerend sein. Geht ein Deinfluencing-Video viral, kann das auch für große, etablierte Marken eine Gefahr darstellen. Die Macht, die von Social Media ausgeht, wird hier oft unterschätzt.

Wie sorge ich dafür, dass mein Produkt nicht gedeinfluenced wird?

Eine 100%-ige Garantie, dass du nicht Opfer von Deinfluencing wirst, gibt es nicht. Generell gibt es zwei Faktoren, die du beachten solltest, damit dein Produkt möglichst nicht negativ bewertet wird. Diese Faktoren solltest du aber auch vor dem Trend des Deinfluencings bereits beachtet haben:

  • Gutes Produkt: Du selbst musst von deinem Produkt überzeugt sein und es muss Käufer:innen einen echten Mehrwert bieten. Außerdem sollte das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Informiere dich auch über Konkurrenzprodukte.
  • Passende Influencer:innen: Finde Influencer:innen, die zu deiner Marke und deinem Produkt passen. Sie sollten authentisch und vertrauensvoll sein. Auch wenn es konträr klingen mag, kann es sich lohnen, ihnen nicht zu viele Vorgaben bei der Vorstellung deines Produktes zu machen. So können sie dein Produkt möglichst glaubhaft in ihren täglichen Content einbauen.

Ausblick

Einige Stimmen aus der Branche leiten mit dem Deinfluencing bereits das Ende des Influencer Marketings ein. Andere sehen im Deinfluencing das gleiche Problem wie im herkömmlichen Influencer Marketing: Das Kritisieren eines Produkts kann genauso oberflächlich stattfinden wie das Bewerben eines Produkts. Gemäß dem Motto „auch schlechte Publicity ist Publicity“ kann auch ein Shitstorm einem Produkt oder einer Marke mehr Aufmerksamkeit und Engagement.
Spinnt man das ganze weiter, könnten Unternehmen Deinfluencing auch dazu nutzen, die Konkurrenz auszustechen. Denkbar wäre, dass Firmen Influencer:innen bezahlen, um andere Produkte in ein schlechtes Licht zu rücken. Wie moralisch vertretbar das noch ist, muss im Endeffekt jeder für sich selbst entscheiden.

Weitere Trends aus dem Influencer Marketing

Deinfluencing ist nicht der einzige aktuelle Influencer-Marketing-Trend. Wir haben für dich einige weitere Trends für 2023 bei Later recherchiert. Diese Trends beschränken sich allerdings nicht auf TikTok.

#1 Weniger Filter & weniger Kuration
Authentizität wins: Wer heute als Influencer:in erfolgreich sein will, muss authentisch sein. Der einst perfekte Schein des Influencer-Seins fällt und Creator:innen versuchen mehr und mehr, authentisch und nahbar zu wirken. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass (besonders bei Instagram) weniger Foto- und Beautyfilter verwendet werden. Außerdem hält sich der Photo-Dump-Trend, bei dem Creator:innen (mehr oder weniger) willkürliche Bilder aus ihrem Alltag ungefiltert posten. Dieser Trend findet sich ebenfalls unter dem Hashtag #unfiltered.

 

 

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Es geht also immer mehr darum, Momentaufnahmen statt säuberlich kuratierten Content zu veröffentlichen. Zumindest sollen die Inhalte so wirklich, als wären sie direkt im Moment entstanden. Viele TikTok-Videos haben mittlerweile den Charakter eines FaceTime-Anrufs.
Was bedeutet das für dich als Unternehmen?
Suche nach authentischen Influencer:innen, die dein Produkt nahtlos in ihre Inhalte einbinden können, ohne dass es gestellt wirkt. Es geht nicht mehr darum, perfekte Werbegesichter zu finden, deren Instagram-Profil eine tadellose Ästhetik aufweist.

#2 User Generated Content
User Generated Content (UGC) ist schon länger ein Thema, dennoch wird er dieses Jahr nochmal wichtiger. UGC wird häufig als authentischer und glaubwürdiger gesehen als herkömmlicher Influencer- und Branded-Content.
Was bedeutet das für dich als Unternehmen?
Mach deine Marke zum Hashtag und ermutige Kundinnen und Kunden, Posts mit deinen Produkten zu erstellen. Die Voraussetzung dafür ist, dass User:innen deine Marke in ihren eigenen Posts taggen und markieren, damit du sie auch findest. Besonders für kleinere Marken kann das eine Herausforderung darstellen, aber hast du dir einmal eine gewisse Bekanntheit, wird es immer leichter. Denke daran, Nutzer:innen um Erlaubnis zu fragen, bevor du ihre Inhalte auf deinem Markenkanal postest. Hast du aber das Go, steht deiner UGC-Strategie nichts mehr im Weg.
Daneben gibt es sogenannte UGC-Creator:innen, die darauf spezialisiert sind, Inhalte zu veröffentlichen, die wie UGC aussehen.

 

Beispiel, wie Marken UGC von Influencer:innen wiederverwerten können.

Beispiel für UGC

#3 Influencer:innen werden zu Unternehmer:innen
Viele Influencer:innen werden mit der Zeit zu Unternehmer:innen und gründen ihre eigenen Firmen mit ihren eigenen Marken. Ein sehr bekanntes Beispiel ist hier die Fitness-Influencerin Pamela Reif (@pamela_rf), die 2020 mit @naturally_pam ihr eigenes Unternehmen für Fitness Food gegründet hat.
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Was bedeutet das für dich als Unternehmen?
Für dich als Unternehmen eröffnet dies eine neue Art der Kooperation, denn du kannst nicht nur mit dem Influencer oder der Influencerin zusammenarbeiten, sondern gegebenenfalls auch mit dem Unternehmen. Wenn es in beide Konzepte passt, könnt ihr beide davon profitieren.

#4 Langfristige Kooperationen
Langfristige Kooperationen werden immer beliebter, und das nicht ohne Grund: Sowohl du als Unternehmen als auch die Influencer:innen profitieren von langfristigen Kooperationen und Verträgen. Für Influencen:innen bedeuten langfristige Kooperationen mehr finanzielle Sicherheit. Für dich bedeuten sie weniger Aufwand, da du nicht ständig auf die Suche nach neuen Influencer:innen gehen musst. Außerdem wächst das Vertrauen ineinander gegenseitig mit der Zeit ihr beide lernt immer besser, welche Inhalte für ein Produkt funktionieren und welche nicht. Darüber hinaus entwickelt auch die Community des Creators oder der Creatorin langsam Vertrauen zu deiner Firma. User:innen, die dein Produkt nach einer Erwähnung noch nicht kaufen, sind nach mehreren Videos zu deinem Produkt vielleicht eher dazu bereit, es zu bestellen.

🔍 Weitere Influencer-Marketing-Trends erfährst du bei Later.