Was kann Künstliche Intelligenz im E-Mail-Marketing in naher Zukunft wirklich leisten? Welche Entwicklungen lohnen sich – und wo ist noch viel heiße Luft? Die Keynote „KI und E-Mail: What’s up, what’s next, what’s not going?“ auf der E-Mail Innovation World in München von Thomas Federkiel gab spannende Einblicke.
Was kann Künstliche Intelligenz im E-Mail-Marketing in naher Zukunft wirklich leisten? Welche Entwicklungen lohnen sich – und wo ist noch viel heiße Luft? Die Keynote „KI und E-Mail: What’s up, what’s next, what’s not going?“ auf der E-Mail Innovation World in München von Thomas Federkiel gab spannende Einblicke. Wir nehmen dich mit entlang des gesamten E-Mail-Marketing-Prozesses und zeigen dir, wie ein KI-gestütztes E-Mail-Marketing zukünftig aussehen kann und welche konkreten Potenziale sich bieten.
Lust auf eine kleine Zeitreise? Dann los! Stell dir vor, du befindest dich plötzlich im Jahr 2030. Wie jede Woche steht heute für dich die Erstellung des Newsletters für dein Unternehmen auf dem Plan. Allerdings arbeitest du längst nicht mehr wie vor 5 Jahren, es hat sich einiges geändert. Sei gespannt!
Wie immer beginnst du zuerst damit, passende Themen für dein Mailing zu finden. Was früher mit Recherche, Brainstorming und viel Trial-and-Error verbunden war, läuft mittlerweile durch KI komplett automatisiert ab. Wenn es um die Konzeption deines Newsletters geht, analysieren Tools Zielgruppenverhalten, Trends in Social Media und Google-Suchen – um dir dann passgenau relevante Themenvorschläge für deine Artikel auszuspielen. Damit nimmt dir die KI im ersten Prozessschritt u.a. folgendes ab:
In der Praxis könnte das folgendermaßen aussehen: Die KI erkennt, dass „Darmgesundheit“ und „Pflanzenproteine bei Stress“ gerade hoch im Kurs stehen. Sie empfiehlt diese als Kampagnenthemen, kombiniert mit gezielten Subnarrativen wie „Protein am Morgen für mentale Stärke“.
Nachdem du deine Themen ausgewählt hast, erstellst du nun die eigentlichen Inhalte für dein Mailing. Auch hier ist KI dein bester Freund. Sie hilft dir, wirksame Texte zu schreiben, die datengetrieben sind. Statt auf dein Bauchgefühl oder manuelle A/B-Tests zu setzen, analysiert sie für dich, was wirklich funktioniert – und lernt daraus. Ob aufmerksamkeitsstarke Betreffzeilen, personalisierte Inhalte oder emotional passende Tonalitäten – KI macht damit deine Texte nicht nur effizienter, sondern auch relevanter. So entsteht Content, der deine Empfänger:innen wirklich erreicht und individuell angepasst ist.
So kann KI im Copywriting relevanten Content erzeugen:
In unserem Beispiel könnte für sportaffine Leser:innen die Betreffzeile „Mehr Kraft nach dem Workout – ganz natürlich“ generiert werden. Für gestresste Berufstätige wird dagegen: „Tägliche Balance aus der Flasche?“ gewählt. Die Inhalte dahinter sind stilistisch markenkonform und auf den emotionalen Ton der Zielgruppe abgestimmt.
Im KI-gestützten E-Mail-Marketing hört Gestaltung nicht beim ersten Klick auf. Deine Templates sind inzwischen um einiges smarter geworden: Sie analysieren, wie Nutzer:innen interagieren, und optimieren sich selbst – vom Layout bis zur Farbwahl. So entsteht ein Design, das nicht nur schön aussieht, sondern bei jeder Zielgruppe ins Schwarze trifft.
Im Beispiel unseres Protein Shakes erkennt die KI, dass eine Zielgruppe verstärkt auf Bild-CTAs klickt. Das Template passt sich an und positioniert den Button direkt unter dem Key Visual des Shakes. Für mobile Nutzer und Nutzerinnen wird der CTA nach oben gezogen.
Auch die weitere Gestaltung mit KI hat sich mittlerweile in deinem Prozess zur datengetriebenen Disziplin entwickelt: Bilder werden individuell ausgewählt und angeordnet – abgestimmt auf Vorlieben, Verhalten und Kontext. So entsteht ein visuelles Erlebnis, das jeden Einzelnen abholen soll.
Und so funktioniert es:
Nutzer und Nutzerinnen, die beim Shake aus dem Beispiel bisher eher auf Testimonials reagieren, sehen E-Mails mit Kundenstimmen. Andere könnten primär visuelle Rezeptinspirationen gezeigt bekommen.
KI sorgt im Hintergrund dafür, dass deine E-Mails nicht nur gut aussehen, sondern überall einwandfrei funktionieren. Vom responsiven Design über schnelle Ladezeiten bis hin zur automatischen Fehlerkorrektur – der Code optimiert sich selbst.
Codes werden automatisiert optimiert, um die perfekte Darstellung auf allen Endgeräten sicherzustellen.
Beispiel: Die HTML-Struktur der Shake-Mail wird automatisch so gebaut, dass sie in Outlook korrekt dargestellt wird, Ladezeiten reduziert sind – und sie per Screenreader verständlich bleibt.
Dank KI musst du nicht mehr raten, wer was wann will. Segmentierungen basieren nicht auf historischen Daten, sondern auf dem, was als Nächstes passieren wird. Absichten werden erkannt, bevor sie ausgesprochen werden – von der Kaufbereitschaft bis zum Absprungrisiko. So entsteht Kommunikation, die nicht hinterherläuft, sondern immer einen Schritt voraus ist. Umgesetzt werden kann dies folgendermaßen:
Die KI erkennt also beispielsweise aus Interaktionen, dass ein Teil der Zielgruppe kurz vor dem Absprung steht – sie erhalten folglich eine Reaktivierungsmail mit exklusivem Angebot.
Dein Mailing ist nun fast fertig und du blickst zufrieden auf dein Ergebnis. Früher hättest du in diesem Schritt nochmal doppelt über deine Ausgabe geschaut und sie wahrscheinlich auch nochmal von einer entsprechenden Person freigeben lassen. Mittlerweile übernimmt KI den letzten Check für dich: rechtliche Fallstricke, riskante Formulierungen oder auffällige Muster – all das erkennt sie automatisch, noch bevor jemand auf „Senden“ klickt. So wird der Freigabeprozess nicht nur schneller, sondern auch sicherer, denn:
In unserem Beispiel könnte ein Formulierungsvorschlag wie „Garantiert fit in 7 Tagen“ von der KI als kritisch markiert werden. Sie schlägt eine Alternative mit abgeschwächter Wirkungsaussage vor – inkl. Hinweis auf aktuelle Werberichtlinien.
Der perfekte Versandzeitpunkt? Diese Entscheidung musst du heute nicht selbst treffen. Stattdessen verlässt du dich auf den Algorithmus. KI analysiert deine Verhaltensdaten, kombiniert First-, Zero- und Third-Party-Daten und wählt automatisch das passende Zeitfenster – individuell pro Empfänger:in. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass Botschaften kanalübergreifend harmonieren und sich nicht in die Quere kommen. So wird aus Versandplanung ein datengetriebener Orchestrierungsprozess. Kurz gefasst:
Beispiel: Die KI legt den Versandzeitpunkt für mobile Nutzer:innen auf den frühen Abend, während Desktop-Nutzer:innen am nächsten Morgen erreicht werden. Parallel erfolgt ein Retargeting auf Social Media – ohne Doppelansprache.
Du hast deinen Newsletter nun versendet, aber wie sieht es mit der Auswertung aus? KI macht aus Reporting echtes Lernen: Statt nur auf vergangene Zahlen zu schauen, erkennt sie Muster, deckt versteckte Zusammenhänge auf und liefert konkrete Handlungsempfehlungen. Sie zeigt nicht nur, was passiert ist – sondern warum. Und noch besser: Sie simuliert, was passieren könnte:
Im Falle unseres Proteinshakes analysiert die KI, dass User:innen mit dem Betreff „Natürlich stärker – jeden Tag“ signifikant häufiger klicken – und empfiehlt diese Tonalität für zukünftige Produktmails.
Du notierst dir deine Learnings fürs nächste Mal und bist zuversichtlich, dass dein Mailing gut ankommen wird. Zufrieden widmest du dich deiner nächsten Aufgabe.
Wie dir der Ausflug ins Jahr 20230 gezeigt hat, wird Hyperpersonalisierung im E-Mail Marketing zum Standard werden. Gleichzeitig droht die Gefahr der Austauschbarkeit, wenn KI-generierte Inhalte zu „perfekt“ wirken. Echtheit und Kreativität bleiben menschlich – und daher unverzichtbar.
KI kann viel, aber nicht alles. Ein Mangel an emotionaler Tiefe & interkulturellem Feingefühl, genauso wie Gefahren von Datennutzung und Diskriminierung, Uniformität & Unauthentizität nehmen durch einen steigenden Einsatz von KI zu. Und nicht zuletzt gilt natürlich wie immer auch hier das Stichwort: Shit in – Shit out. Ohne saubere Daten, klare Ziele und menschliche Kontrolle bleibt KI ein Werkzeug ohne Wirkung und unsere Zeitreise nur eine Vision.
Was denkst du, wo wir in 5 Jahren im E-Mail Marketing stehen werden?
Quelle:
Keynote: “KI und E-Mail: what’s up, what’s next, what’s not going?” von Thomas Federkiel (E-Mail Innovation Word, München)
Dein Feedback hilft uns, unsere Inhalte noch besser zu machen.