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Der Social-Media-Automatisierungs-Super-Gau

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Als Online-Marketer verbringt man viel Zeit im Netz. Klar. Im Laufe der Jahre entwickelt man ein sehr feines Gespür für Marketing-Techniken und deren Funktionsweise. Die Mechanismen und Beweggründe, die hinter SEM-, Social-Media- und Display-Kampagnen stehen, sind einem geläufig. Ebenso die Ziele, die mit Social Media erreicht werden sollen – so verschieden sie auch sein können.

Außerdem wissen wir: Alles, was Online-Marketer im Netz tun, dient dem Zweck, das Ziel des durch sie vermarkteten Unternehmens zu erreichen. Ein Retailer möchte Produkte verkaufen, eine Non-Profit-Organisation möchte ihre Mission unter die Menschen bringen und ein Politiker möchte seine Wähler erreichen.

Das Problem?

Es gibt sehr, sehr viele Online-Marketer, die sehr, sehr viele Unternehmen vermarkten. Das System „Online-Marketing“ hat durch hohe Sättigung einen Professionalisierungsgrad erreicht, der es schwer macht, die eigene Nachricht an Frau und Mann zu bringen.

Schreien oder argumentieren?

Stellen wir uns der Einfachheit halber einen durchschnittlichen Menschen als das Ziel allen Online-Marketings vor. Durch seinen hohen Konsum von online verfügbaren Kanälen und Medien sammelt sich in seinem Bewusstsein eine große Menge Botschaften an. Zu viele, als dass sie sich unterscheiden ließen. Durch gutes Targeting ist zumindest sichergestellt, dass diese Botschaften ihn in der überwiegenden Zahl grundsätzlich interessieren.

Trotzdem ist das Getümmel der Botschaften groß. So groß, dass die Chance einer einzelnen Message, zu ihm durchzudringen, sehr gering ist.

Wenn der Druck zu groß wird

Es ist klar, dass der Druck auf Online-Marketer in dieser Konkurrenzsituation sehr groß ist. Scheinbar gibt es nur zwei Wege nach vorn: große Budgets oder clevere Ideen. Oder ganz abstrakt ausgedrückt: Wenn in einem System anscheinend niemand mehr zum Zug kommt, weil zu viele mitspielen, führen entweder große Macht (Budgets) oder hohe Intelligenz (clevere Ideen) ans Ziel.

Es gibt noch einen dritten Weg. Aber den spare ich mir für den Schluss auf.

Eine vermeintlich clevere Idee

Eine kausale Wahrheit des Online-Marketings:
Marketing braucht Reichweite -> Social Media bietet Reichweite -> Interaktion unterstützt den Aufbau von Reichweite -> Interaktion braucht Zeit.

Automatisierung bietet verzweifelten Marketern hier eine Abkürzung.

Hier ist ein kleines und einfaches Experiment, um zu illustrieren, was ich meine:

  1. Setze einen Tweet mit diesen Hashtags ab:
    #seo #socialmedia #contentmarketing #onlinemarketing #growthhacking #marketing #automation. Wenn du mutig bist, hängst du diesen Hashtag an: #entrepreneur. Dazu schreibst du einen kurzen Text, der rein gar nichts mit diesen Hashtags zu tun hat.
  2. Warte 30 Minuten.
  3. Schau dir an, was passiert ist.

Ich habe vor einer halben Stunde exakt dasselbe getan. Hier ist mein Tweet:

121watt-tweet-test-automatisierung

Die Reaktionen:

 

121watt-twitter-automatisierung-beispiel

Ich zeige euch kurz, was üblicherweise auf meinem privaten Twitter-Account passiert, wenn ich etwas poste:

nothing

Nicht dieses Mal. Mein Tweet hat 9 Likes, einen RT und brachte mir 3 neue Follower.

Außerdem bin ich:

Nicht so ganz die Interaktion, die man erwartet hat

Wir haben in der Vergangenheit einige Artikel veröffentlicht, die Automatisierung zum Inhalt hatten. Unser Ziel jedes Mal: Arbeiten automatisieren, um Zeit zu sparen und wirksamer zu sein. Prozesse, die Zeit kosten, sollen uns nicht von der eigentlichen Arbeit abhalten, sondern einfach ihre Ergebnisse liefern und uns die wertvolle Zeit lassen, das wirklich Wichtige zu tun.

Was wir mit Automatisierung nicht erreichen möchten: unser Zielpublikum belügen. Zum Beispiel darüber, dass man mit ihnen qualitativ interagiert, wo man es eigentlich einem Bot überlässt. Oder einem Tool.

Wie ich im eben durchgeführten Experiment darauf komme, dass es sich nicht um echte Follower handelt? Nun:

Das riecht doch verdächtig nach Automatisierung.

Zum Beispiel kann das von uns so heißgeliebte IFTTT dazu missbraucht werden. Dazu braucht man lediglich dieses Rezept:

Build a Twitter list from a specific hashtag

Was es tut? Wann immer jemand zu einem von dir definierten Hashtag twittert, kannst du ihn oder sie zu einer Liste hinzufügen. Auf diese Weise baust du in 24 Stunden Listen, die mehrere Tausend Mitglieder zählen. Groß, aber irrelevant und wenig nützlich.

Mit anderen Tools können Tweets automatisiert nach Location, Hashtag oder Account automatisch geliked oder retweeted werden.

Das Ziel vorgetäuschter menschlicher Interaktion

In unserem Beispiel: Aufmerksamkeit, die echte Menschen dazu veranlasst, einem Account zu folgen.

Im obigen Experiment wurde ich zu vielen Listen hinzugefügt. Darunter auch so schmeichelnde Bezeichnungen wie „Content Marketing Pros“ oder „Online Marketing Gurus“.

 

og-automatisierung

So geschmeichelt klickt es sich doch viel leichter auf den Follow-Button.

Die restlichen Accounts habe ich mir als gebauchpinselter Twitter-User zumindest angesehen. Immerhin möchte ich sehen, wer da von meinem Tweet so begeistert war, dass er ein Herzchen vergab oder meinen Text sogar per Retweet in seiner Timeline verewigte.

Das Ergebnis vorgetäuschter menschlicher Interaktion

Erst einmal: keine Seite gewinnt. Nehmen wir wieder unser Beispiel, dann hat ein Online-Marketer über #onlinemarketing getwittert. Klar. Wer sonst twittert zu diesem Thema?

Ein anderer Online-Marketer täuscht einen echten Like vor, fügt den Online-Marketer zu einer Liste hinzu oder retweetet seinen Text. Am Ende folgt ihm ein weiterer Online-Marketer.

Ja, solche Blüten treibt falsch eingesetzte Automatisierung. Ein Online-Marketer belügt einen anderen Online-Marketer, damit er ihm folgt. Man stelle sich einen Tischler vor, der einem anderen Tischler Interesse an seinen Tischen vorlügt, damit dieser in seinen Laden kommt.

Selbst wenn wir die Branchen auswechseln, bleibt es eine schlechte Idee.

Der Social-Media-Automatisierungs-Super-Gau

Stellen wir uns folgendes, unschuldig wirkendes Set-Up vor. Ein Hersteller von Gartenteichzubehör verfügt über einen Instagram-Account, auf dem er Bilder von besonders gut gepflegten und schönen Gartenteichen postet.

Grundsätzlich eine gute Idee.

Um die Followerzahl zu erhöhen, setzt dieser Hersteller nun ein Tool ein, das Bilder, die mit dem Hashtag #gartenteich getaggt wurden, mit einem randomisierten Kommentar versieht und diese Bilder auch liked.

Die so mit Aufmerksamkeit beschenkten Instagrammer werden also auf das Profil des Gartenteichzubehörherstellers aufmerksam, erkennen, dass es sich um einen folgenswerten Account handelt und tippen auf „+ Folgen“.

Eines Tages postet jemand auf Instagram ein Foto mit einer fragwürdigen politischen Aussage, die den Hashtag #gartenteich enthält. Vielleicht, weil er etwas (oder jemanden) gern darin sähe, vielleicht aus einem anderen Grund.

Was mach unser Bot? Er liked das Bild und kommentiert: „Klasse Bild

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2 Kommentare zu “Der Social-Media-Automatisierungs-Super-Gau”

  1. Dietmar

    05.03.2016 um 14:19

    Moin!

    Beim Lesen der Überschrift musste ich den Kopf schütteln.

    groß
    größer
    am größten
    am Super-größten?

    Wieso nur verwendest du das das Wortungetüm Super-GAU?
    Das „G“ in „GAU“ lässt sich nicht steigern.
    Ehrlich.
    Ich schwörs.
    Indianer-Ehrenwort.
    Dreimal schwarzer Kater.

    Ahoi!
    Dietmar

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