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Newsletter Aug II 2026 Digital Marketing Beginner

Digitale Souveränität: Chinesische KI-Modelle

Kleine und schnelle Modelle sind überall günstig. Ein Modell, das fast an die Spitzenmodelle heranreicht und trotzdem so wenig kostet wie ein kleines, gibt es derzeit aber nur aus China. Chinesische KI-Modelle im Marketing überzeugen also mit ihrem Preis-Leistungsverhältnis. Wann lohnt sich dieser Preisvorteil und mit welchen Einbußen muss man rechnen?

Philipp Wiens Autor:in Philipp Wiens

 

Kleine und schnelle KI-Modelle sind überall günstig. Ein Modell, das fast an die Spitzenmodelle heranreicht und trotzdem deutlich preisgünstiger ist, gibt es derzeit aber nur aus China. Chinesische KI-Modelle im Marketing überzeugen also mit ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wann lohnt sich dieser Preisvorteil und mit welchen Einbußen muss man rechnen?

In unserer Serie „Digitale Souveränität: Tool-Check“ stellen wir regelmäßig Softwarelösungen vor, die in diesem Kontext relevant sind. Für jedes Tool ordnen wir ein, was es kann, für wen es sich eignet und wie es sich im Vergleich zu den etablierten Anbietern positioniert. Es geht dabei nicht um ein pauschales Urteil, sondern um eine sachliche Einordnung der Stärken, Schwächen und Trade-offs, damit du und dein Team informierte Entscheidungen treffen könnt.

Heute in der Übersicht: chinesische KI-Modelle.

Wie hoch der Marktanteil chinesischer Modelle tatsächlich ist, lässt sich schwer beziffern. Belastbare Zahlen für Deutschland gibt es nicht, und die meisten Unternehmen binden ihre Modelle direkt bei OpenAI, Anthropic oder über Cloud-Plattformen an, ohne dass dies öffentlich sichtbar wird. Angekommen sind die Modelle trotzdem.

Überall dort, wo KI-Nutzung skaliert und Kosten gedrückt werden sollen, landet man schnell bei den günstigen Open-Weight-Modellen, die frei verfügbar sind und die man deshalb auch selbst hosten kann. Auf OpenRouter, einem Dienst, über den mit einer einzigen Anbindung zwischen dutzenden Modellen gewechselt werden kann, stammen sechs der neun meistgenutzten Modelle aus China (Stand: 17.08.26), darunter:

  • DeepSeek V4 Flash
  • Tencent Hy3
  • Z.ai GLM 5.2
  • Kimi K3
  • Xiaomi MiMo

Wo chinesische KI-Modelle noch Schwächen haben

Die zentrale Kritik: Datenschutz

Dieser Kritikpunkt kommt nicht überraschend. Das Thema Datenschutz solltest du vor allen Leistungs- und Preisfragen klären, da es ein klares K.O.-Kriterium ist.

Wenn du die Modelle über die App oder die direkte API des Herstellers nutzt: Deine Prompts gehen direkt nach China. In der Datenschutzerklärung von DeepSeek ist die Speicherung in China ausdrücklich erwähnt:

The Personal Data we collect from you may be stored on a server located outside of the country where you live. To provide you with our services, we directly collect, process and store your Personal Data in People’s Republic of China.

Quelle: DeepSeek

Chinesische Sicherheitsgesetze geben den Behörden weitreichende Zugriffsrechte auf Daten im Einflussbereich chinesischer Unternehmen. Ein Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission für China existiert nicht.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte hat DeepSeek im Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt gemeldet, abgestimmt mit den Behörden aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bremen. Italien hatte die App schon im Januar 2025 gesperrt.

Für deine Arbeit heißt das: Übermittle keine personenbezogenen Daten über die China-API oder die App.

  • Keine CRM-Exporte
  • Keine Lead-Listen
  • Keine Bewerbungsunterlagen
  • Keine Kundenanfragen aus dem Support

Für alles andere kann der niedrige Preispunkt als Vorteil überwiegen.

Open-Weight-Modelle auf europäischer Infrastruktur: Anbieter wie Scaleway, OVHcloud oder der IONOS AI Model Hub hosten DeepSeek und Qwen auf eigenen europäischen Servern, mit Auftragsverarbeitungsvereinbarung und ohne CLOUD-Act-Aussetzung. IONOS ist vom BSI sicherheitsgeprüft, OVHcloud SecNumCloud-qualifiziert. Der Datenabfluss nach China entfällt hier vollständig, der Kostenvorteil bleibt aber weitgehend erhalten. Genaueres dazu erfährst du auch hier bei unserer Vorstellung von europäischer KI-Infrastruktur.

Über einen EU-Hoster ist derselbe Modelltyp also unproblematisch. Wenn DeepSeek oder Qwen bei IONOS, Scaleway oder OVHcloud laufen, greift ganz normal deine Auftragsverarbeitungsvereinbarung (AVV).

Gutes Deutsch ist nicht automatisch gute Werbesprache

Die Sprache ist neben dem Datenschutz einer der wichtigsten Schwachpunkte chinesischer Modelle. Sie können deutsche Texte zusammenfassen, strukturieren und übersetzen. Alle sachlichen oder technischen Inhalte funktionieren häufig gut. Schwierig wird es bei Tonalität, Markenstimme, feinen Bedeutungsunterschieden und dem generellen Gefühl für die Sprache.

Ein deutschsprachiger Benchmark der Bundesdruckerei zeigt ein gemischtes Bild: Die chinesischen Modelle tauchen erstmalig an Stelle 8 auf, wenn es um deutsche Zusammenfassungen geht. Bei der Beantwortung von Fragen oder Themenextraktion fallen sie noch weiter zurück. Nachhaltigkeit, Politik und Transparenz wurden vorläufig aus der Bewertung ausgenommen.

Für kreatives deutsches Copywriting gibt es bislang keinen wirklich aussagekräftigen, unabhängigen Benchmark. Ob ein Modell zur eigenen Marke passt, lässt sich deshalb nur mit einem Praxistest selbst herausfinden. Schau hier nicht nur auf die API-Kosten, sondern auch auf die potenziell nötige Nacharbeit.

Politisch sensible Themen können verzerrt werden

Ein weiterer Schwachpunkt betrifft politische Inhalte und insbesondere Themen mit Bezug zur chinesischen Regierung.

Eine Untersuchung der US-Regierungsstelle CAISI fand in Antworten von DeepSeek-Modellen wiederholt Narrative, die der Position der chinesischen Kommunistischen Partei entsprechen. Diese Einschränkungen und politischen Tendenzen können direkt im Modell verankert sein und bleiben deshalb auch dann bestehen, wenn das Modell auf deinen eigenen Servern betrieben wird.

Das ist also ein Thema, welches nicht durch eigenes Hosting gelöst werden kann. Für klassische Produkttexte o.ä. spielt das kaum eine Rolle. Für Nachrichtenangebote, politische Kommunikation, gesellschaftliche Themen oder internationale Markenkommunikation ist es dagegen ein Risiko.

Die Sicherheitsmechanismen sind teilweise deutlich schwächer

Chinesische Modelle lassen sich teilweise leichter dazu bringen, ihre eigenen Sicherheitsregeln zu ignorieren. Bei solchen Jailbreaks oder Prompt-Injections formulieren Nutzer:innen ihre Anfrage so, dass das Modell trotz eingebauter Einschränkungen problematische Inhalte ausgibt oder unerlaubte Aktionen ausführt.

Für einen klar begrenzten internen Prozess ist dieses Risiko häufig kontrollierbar. Ein Beispiel wäre eine Batch-Ausführung, die Daten kategorisiert und keinen direkten Kontakt zu Nutzer:innen hat.

Anders sieht es bei öffentlich zugänglichen Chatbots aus. Dort können fremde Personen gezielt versuchen, die Anweisungen des Systems zu umgehen, was wiederum ein Reputations- und Haftungsrisiko darstellt.

Wo chinesische KI-Modelle im Marketing überzeugen

Sie sind extrem günstig

Der größte bereits angesprochene Vorteil chinesischer KI-Modelle ist der Preis. DeepSeek V4 Flash kostet beispielsweise nur einen Bruchteil im Vergleich zu den Preisen westlicher Spitzenmodelle. Für einzelne Aufgaben kann man das vernachlässigen, aber für die Verarbeitung von großen Mengen kann es durchaus interessant sein. Sehr günstig verarbeiten lassen sich damit zum Beispiel:

  • Produkttexte
  • Meta-Descriptions
  • Übersetzungsentwürfe
  • Kategorisierungen
  • Automatisierte Reports

Für bspw. 10.000 Produktbeschreibungen würde die reine KI-Nutzung auf Basis der aktuellen Listenpreise kosten:

  • DeepSeek V4 Flash: etwa 1,68 US-Dollar
  • DeepSeek V4 Pro: rund 5,22 US-Dollar

Bei führenden westlichen Modellen können vor allem die Kosten für den Output etwa 29- bis 34-mal höher liegen.

Die Qualität gleicht sich weiter an

Chinesische Modelle liegen bei vielen unabhängigen Tests noch hinter den besten Modellen von OpenAI, Google oder Anthropic. Der Abstand ist in den vergangenen Monaten jedoch deutlich kleiner geworden.

Gesamtwerte aus Benchmarks sagen letztendlich wenig darüber aus, welches Modell für eine bestimmte Marketingaufgabe am besten geeignet ist. Sie zeigen aber, dass chinesische Modelle keine Billiglösungen mit deutlich schlechterer Qualität sind. Bei vielen Standardaufgaben liefern sie für einen Bruchteil des Preises Ergebnisse, die für den produktiven Einsatz absolut ausreichen.

Auch bei Bildern und Videos gibt es starke Alternativen

Chinesische Anbieter sind nicht nur bei Textmodellen konkurrenzfähig. Qwen-Image und Seedream können für die Bildgenerierung eingesetzt werden. Bei KI-Videos gehören Kling und Hailuo zu den bekannten Alternativen zu westlichen Plattformen. Je nach Anwendungsfall können sie für Visualisierungen, Produktinszenierungen oder erste kreative Entwürfe interessant sein.

Was bedeutet das für dich?

Chinesische KI-Modelle sind besonders interessant, wenn große Mengen klar strukturierter Inhalte verarbeitet werden müssen. Dazu gehören:

  • Produktdaten
  • Erste Textentwürfe
  • Klassifizierungen
  • Analysen
  • Übersetzungsrohfassungen
  • Technische Automationen

Weniger eindeutig ist der Vorteil bei hochwertigen deutschen Werbetexten. Hier sollte nicht der günstigste Modellpreis entscheiden, sondern der gesamte Arbeitsaufwand bis zur Freigabe.

Für interne, klar begrenzte Workflows können Modelle wie DeepSeek eine wirtschaftlich attraktive Alternative sein. Bei öffentlich zugänglichen Chatbots, politisch sensiblen Inhalten oder Kommunikation mit hohem Reputationsrisiko sind dagegen zusätzliche Prüfungen und Sicherheitsmaßnahmen notwendig.

Die pragmatische Lösung ist deshalb selten eine vollständige Umstellung, sondern eher ein Modellmix:

  • Günstige Modelle für standardisierte Massenaufgaben
  • Leistungsfähigere oder sprachlich stärkere Modelle für anspruchsvolle Aufgaben
  • Menschen jederzeit für die finale Qualitätskontrolle

 

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Dieser Artikel wurde KI-unterstützt erstellt und durch menschliche Fachkenntnis überarbeitet und optimiert.

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