Sicher hast du auch schon von der Social-Media-Plattform BeReal gehört, sie ist ja auch bereits einige Jahre auf dem Markt. Seit einigen Monaten gibt es nun die Möglichkeit für Unternehmen, eigene Firmenaccounts bei BeReal anzulegen.
⚠️ Time to BeReal ⚠️
Sicher hast du auch schon von der Social-Media-Plattform BeReal gehört, sie ist ja auch bereits einige Jahre auf dem Markt. Seit einigen Monaten gibt es nun die Möglichkeit für Unternehmen, eigene Firmenaccounts bei BeReal anzulegen. Wir haben uns umgeschaut und recherchiert, ob es sich für Marken wirklich lohnt, BeReal für sich zu nutzen. Bei uns erfährst du, was die Vorteile sind und wann sich BeReal für dein Unternehmen eignet.
Die Social-Media-App BeReal gibt es seit 2020. Einen Boom erlebte die Plattform allerdings erst 2022, als die Nutzerzahlen von 920.000 (2021) in nur wenigen Monaten auf 21,6 Millionen Nutzer:innen (2022) anstiegen. Zwischendurch kletterten die Nutzerzahlen weiter in die Höhe, aktuell liegen sie aber bei etwa 23 Millionen Nutzerinnen und Nutzern. Zurückzuführen ist dieser Boom auf eine Brand-Ambassador-Kampagne (unterstützt von Investor:innen) im Jahr 2022.
BeReal positioniert sich als eine Art „Anti-Instagram“. Ihr Ziel: Mehr „Realness“ in die Welt bringen. Mit ihrem Konzept möchte BeReal eine authentischere Alternative zu Instagram und TikTok bieten, ganz ohne Filter, vorheriges Bearbeiten der eigenen Bilder oder Uploads aus der Fotogalerie:
Alle Nutzer:innen der Plattform erhalten pro Tag zeitgleich eine Push-Benachrichtigung auf ihr Smartphone. Dann haben sie zwei Minuten Zeit, ein Bild zu machen und dieses hochzuladen. Es bleibt also nicht viel Zeit für Inszenierungen oder den perfekten Winkel. Das Bild soll aus der aktuellen Situation heraus aufgenommen werden. Für noch mehr Authentizität setzt die App auf den dualen Kameramodus. Bedeutet, Front- und Rück-Kamera des Smartphones lösen gleichzeitig aus und erlauben einen intimen Einblick in die aktuelle Situation.
Wenn du es schaffst, innerhalb der zwei Minuten nach der Push-Benachrichtigung ein BeReal zu posten, hast du ein wirklich authentisches BeReal. Dafür wirst du mit der Möglichkeit belohnt, im aktuellen Zyklus zwei weitere BeReals hochzuladen. Verpasst du die Push-Nachricht, kannst du dein BeReal auch im Nachhinein aufnehmen und hochladen. Dann bleibt es aber bei einem Bild pro Zyklus und dein Beitrag wird zusätzlich als „late“ gelabelt.
Alle Nutzer:innen aus einem Land beziehungsweise einer Region bekommen die Push-Nachricht zur gleichen Zeit. Die Uhrzeit variiert aber von Tag zu Tag. Es liegen nicht genau 24 Stunden zwischen den Beiträgen, weswegen wir hier von Zyklen sprechen. Die aufgenommenen Bilder sind immer nur bis zum Ende eines Zyklus sichtbar, danach werden sie gelöscht. User:innen können die Bilder ihrer Freundinnen und Freunde nur ansehen, wenn sie selber ein BeReal hochgeladen haben. Davor sind sie nicht abrufbar.
User:innen reagieren mit sogenannten „RealMojis“ auf die Beiträge von Freundinnen und Freunden. Dabei werden keine herkömmlichen Emojis verwendet, sondern die reagierende Person nimmt schnell ein eigenes Bild von sich auf, welches als Reaktion auf das BeReal geteilt wird. Kommentieren ist – wie bei anderen Social-Media-Plattformen – ebenfalls möglich.
Lange Zeit war BeReal Privatpersonen vorbehalten. Es gab keine Möglichkeit, explizit als Unternehmen beizutreten. Seit kurzer Zeit gibt es aber die Funktion, sich unter „RealBrands“ einen Unternehmensaccount einzurichten oder als prominente Person unter „RealPeople“. Das sind extra für Marken und Creator:innen erstellte Accounts. Im Feed der User:innen erscheinen diese in einem separaten Reiter (s. Screenshot).

Die Einführung der Funktion hat viele User:innen stutzig gemacht. Das explizite Einladen von Brands zu BeReal spricht eher gegen die Philosophie, „real“ zu sein und Ausnahmen direkt aus dem Moment zu veröffentlichen. Wenn man auf andere Social-Media-Plattformen blickt, sieht man von Marken häufig aufwändig produzierte und ästhetisch sehr ansprechende Inhalte, die man bei BeReal vergeblich sucht.
Auf BeReal werden aber (aktuell noch) alle gleich behandelt. So müssen es auch Marken schaffen, innerhalb von 2 Minuten ein möglichst authentisches Bild aufzunehmen. Dabei gibt es einige Herausforderungen, die wir im nächsten Abschnitt diskutieren.
Aktuell lässt BeReal keine Werbeanzeigen zu, weswegen keine Einnahmen aus Werbung generiert werden. Nutzerinnen und Nutzer sehen in der Einführung der Creator- und Brand-Accounts allerdings einen ersten Schritt in Richtung Monetarisierung. Damit sich die Plattform weiterhin tragen kann, wird es langfristig notwendig sein, Einnahmen (z. B. aus dem Anzeigengeschäft) zu generieren.
Des Weiteren erscheint die Öffnung der App logisch, wenn man sich die Zielgruppe ansieht: BeReal ist vor allem bei der Gen Z beliebt. Dank TikTok haben wir gelernt, dass besonders diese Nutzergruppe authentische und ehrliche Markenkommunikation bevorzugt.
Genau die Authentizität, für die BeReal steht, ist die größte Hürde für Brands, wenn sie die Plattform nutzen wollen.
– BeReal hat keine Explore-Seite und lässt keine Hashtags zu. Das bedeutet, Userinnen und User stolpern nicht „zufällig“ über Beiträge von Unternehmen. Sie müssen Unternehmen, an denen sie interessiert sind, aktiv suchen und ihnen folgen, um die Beiträge zu sehen.
– Eine der größten Herausforderungen ist die Spontanität. Unternehmen haben keine Chance, Beiträge vorzubereiten und diese, wenn die Push-Nachricht kommt, hochzuladen. Die Beiträge müssen aus dem Moment heraus entstehen. Hierzu braucht es kreative Köpfe, die in Sekundenschnelle eine Situation aggregieren, in welcher der Vibe und die Persönlichkeit des Unternehmens gut rüberkommen. Gleichzeitig darf diese Situation nicht gestellt oder inszeniert wirken. Eine:r der Mitarbeitenden muss das Smartphone ständig im Blick haben, um die „Zeit für ein BeReal“ nicht zu verpassen. Außerdem muss geklärt werden, was mit Beiträgen am Wochenende oder vor Arbeitsbeginn und nach Feierabend passiert.
– Manger:innen und Vorgesetzte müssen sich darauf einstellen, Verantwortung abzugeben. Sie müssen den Mitarbeitenden freie Hand lassen, da bei BeReal keine Zeit für Freigabeschleifen oder die C-Level-Meinungen ist.
– BeReal hat kein Backend wie etwa die Meta Business Suite, über die mehrere Mitarbeitende gleichzeitig arbeiten können. Außerdem ist BeReal nur über die App zugänglich.
– Bei BeReal können aktuell keine Ads geschaltet werden. Die Reichweite muss rein organisch wachsen.
– Userinnen und User von BeReal wollen vor allem eines sehen: Authentizität. Sie sind affin dafür und merken sofort, wenn Inhalte inszeniert oder vorher geplant wurden. Authentische Inhalte können nur dann gelingen, wenn die Personen hinter der Kamera „relateable“ sind und das echte Leben und die tägliche Arbeit in ihren Beiträgen einfangen können.
BeReal befindet sich aktuell nicht unter den 10 meistgenutzten Social-Media-Plattformen in Deutschland und beliebt ist die Plattform vor allem bei Personen aus der Gen Y, Gen Z und jüngeren Generationen. Experten sind sich allerdings einig, dass BeReal so schnell nicht mehr von der Bildfläche verschwinden wird.
Auch wenn BeReal im Vergleich mit anderen Social-Media-Netzwerken mit wenig Arbeitsaufwand bespielt werden kann, muss nicht jede Brand auf den Trend „BeReal“ aufspringen. Die Nutzung kann sich für Unternehmen nur lohnen, wenn
a) sich die Zielgruppe stark auf Gen Y, Gen Z und jüngere Personen konzentriert und
b) die Infrastruktur für schnelles Posten gegeben ist und keine Freigabeprozesse zwischen der Erstellung und dem Posten des Inhalts stehen. An dieser Stelle ist auch die Offenheit für Neues von der Geschäfts- oder zumindest Abteilungsleitung gefragt.
BeReal ist für Marken mit wenig Aufwand und Kosten nutzbar. Falls du dir noch unsicher bist, kannst du einfach für ein paar Monate testen, ob BeReal bei euch funktionieren und sich auch lohnen würde.
Auch hier gilt der Ansatz: Bevor du Zeit in BeReal investierst, ohne dass es einen Mehrwert für deine Brand hat, solltest du deine Energie lieber in Kanäle stecken, mit denen du ein konkretes Ziel verfolgst. Allerdings kannst du dich aktuell noch als Early Adopter positionieren, wenn z. B. noch niemand aus deiner Branche dort vertreten ist.
Mit der Nutzung von BeReal kannst du verschiedene Ziele verfolgen.
Employer Branding
BeReal eignet sich hervorragend, um potenzielle neue Mitarbeiter:innen oder Auszubildende für sich zu gewinnen. Durch die authentische Dokumentation des Arbeitsalltags der Mitarbeitenden bekommen Bewerberinnen und Bewerber einen glaubwürdigen Einblick in das Arbeitsleben der Firma und können sich besser vorstellen, wie ihr täglicher Job bei dir aussehen würde. In dieser Hinsicht kann BeReal das Image deines Unternehmens enorm pushen und dich als attraktiven Arbeitgeber darstellen.
Influencer Marketing
Partnerschaften mit Influencern können die Aufmerksamkeit um deine Marke und deine Produkte stärken. Kooperationen finden eher in einer Form von „Takeovers“ statt. Dabei übernimmt der oder die Influencer:in für einen bestimmten Zeitpunkt den BeReal-Account deiner Firma und postet dort. Genauso wie in deine eigenen Mitarbeitenden musst du hier auch viel Vertrauen in den Content Creator stecken, da es keine Freigabeprozesse geben kann.
Eine Möglichkeit ist es, Influencer:innen, mit denen du auf anderen Plattformen zusammenarbeitest, zu bitten, deinen BeReal-Account zu übernehmen. Sie können das Takeover dann bei Instagram oder TikTok ankündigen und ihre Follower:innen damit auf deinen BeReal Account aufmerksam machen.
Aktuell findet man auf BeReal vor allem große Unternehmen und Sportclubs, sowie Schauspieler:innen, Musiker:innen und Komiker:innen.

Da die Beiträge bei BeReal nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden, haben wir hier leider keine originalen Screenshots (da waren wir wohl zu langsam). Trotzdem wollen wir dir exemplarisch ein paar Kampagnen vorstellen, welche Nutzungsszenarien von BeReal darstellen.
Chipotle
Die US-amerikanische Fast Food-Kette Chipotle lockte ihrer Follower:inen auf und zu BeReal mit exklusiven Rabattaktionen. Beispielsweise teilten sie einen Promo-Code, mit dem die ersten 100 Personen, die den Code einlösten, eine kostenfreie Vorspeise erhalten haben.
Zu Halloween 2022 überlegte sich die Marketing-Abteilung von Chipotle eine besondere Aktion: Nutzer:innen sollten am 31.10. in ihrem Kostüm ein BeReal aus einem Chipotle-Restaurant veröffentlichen und dieses anschließend mit einem festgelegten Hashtag bei Instagram teilen oder per Mail einsenden. Unter allen Teilnehmenden wurde eine einjährige Burrito-Flat für einen kostenlosen Burrito pro Woche verlost.

Chipotle bei BeReal. Quelle: Quelle: wavemaker
Kiehl’s
Die Beauty-Marke Kiehl’s featurte einen besonderen Gast in ihren BeReal-Beiträgen: Mr. Bones. Ein Skelett, welches als Art Brand Ambassador in jedem Kiehl’s-Store zu finden ist. Das hat Wiedererkennungswert.
Hier siehst du Mr Bones in Action, leider aber in einem Insta-Reel:
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Orangina
Orangina nutzte Influencer Marketing über BeReal. Dabei wurden 16 Creator:innen rekrutiert, die jeweils einen Tag lang eine Orangina bei sich trugen, um im perfekten Moment ein BeReal damit hochzuladen. 6 der 16 so entstandenen Beiträge wurden zusätzlich mit einem passenden Hashtag als Instagram Stories geteilt.
e.l.f.
Die Kosmetik-Marke e.l.f. hatte eine ähnliche Idee wie Chipotle: Zum Start bei Bereal veröffentlichten sie einen Promo-Code, mit dem die ersten 150 Follower:innen kostenfreie Produkte erhalten konnten.

e.l.f. auf BeReal. Quelle: Adweek
Ziehl-Abegg
Das Industrie-Unternehmen arbeitete mit sechs Corporate Influencern zusammen, die sich persönliche Accounts anlegten und ihre Followerinnen und Follower (sowie Kolleginnen und Kollegen) in ihren Arbeitsalltag mitgenommen haben. Persönliche Accounts schaffen hier eine persönlichere Bindung, als es ein Unternehmensaccount tun würde.
Quellen: Projecter, Onlinemarketing.de, Konzept-4, Somengo, Business of Apps, Smart Home Fox, Swissper, Kolsquare
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