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Wie der Dislike-Button von Facebook tatsächlich aussehen könnte?

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Facebook hat den Dislike-Button angekündigt. Das kam überraschend. Eigentlich hat sich das Netzwerk seit Jahren gesträubt, ihn einzuführen. Und nun – Zack – soll das Gegenstück zum Like-Button tatsächlich Realität werden.

Zugegeben, „Gegenstück“ ist dabei missverständlich. Denn nach allem, was wir bisher wissen, soll der Button – zumindest funktional und algorithmisch – wahrscheinlich gar nicht das tun, was man im ersten Moment erwarten würde. Kurz: Ein Post soll dadurch nicht abgewertet werden. Personenbeförderungsunternehmen können also aufatmen. Diese Funktion wäre wohl auch wenig hilfreich gewesen. Sie hätte sehr wahrscheinlich dafür gesorgt, dass viele Unternehmen trotz hohen Werbebudgets massiv Reichweite eingebüßt hätten. Facebook mag für vieles bekannt sein. Unternehmerischer Selbstmord dürfte nicht dazugehören.

Wozu nun dieser Button?

Was der Button laut Mark Zuckerberg leisten soll: Anteilnahme ausdrücken. Ein symbolischer Akt also. Warum? Es gibt eine Menge Beiträge, bei denen ein Like ganz einfach fehl am Platze ist. Zum Beispiel den News-Post über ein Lawinenunglück. Solche Posts bekommen zwar Likes, man geht bei Facebook aber wohl davon aus, dass es sich dabei um einen etwas unglücklich gewählten Ausdruck der Empathie handelt.

Zuckerberg: „Wir wollen Facebook nicht zu einem Forum machen, in dem Menschen die Posts von anderen auf- oder abwerten. Das erschiene nicht wie die Art von Gemeinschaft, die wir erschaffen wollen: man möchte keinen Moment teilen, der einem wichtig ist und der dann von jemand anderem abgewertet wird.“

Ein Dislike-Button soll es den Usern in diesen Momenten also erlauben, ihr Mitgefühl auszudrücken.

Passt der Begriff „Dislike“?

Zuckerberg mag den Button als „Dislike“-Button bezeichnet haben. Dass er wirklich so heißen wird, scheint aber unwahrscheinlich. Warum? Zieht man seinen Zweck in Betracht, scheint „Dislike“ nicht so richtig zu passen. Klar – Situationen, in denen man Anteilnahme ausdrücken möchte, sind per se schwer zu mögen. Dennoch würden andere Bezeichnungen in diesem Fall vielleicht besser passen. Sorry zum Beispiel.

Aber was passiert mit den Posts, in denen weder ein Like noch der Ausdruck von Anteilnahme passen? Schaut man sich die Seiten von News-Lieferanten an, fällt auf, dass die Bandbreite möglicher Reaktionen sehr groß ist. Hier ein paar Beispiele von Spiegel Online:

Eins ist klar: Like passt hier auch mit dem größten Zynismus nicht. Dafür vielleicht Erstaunen, Unglaube, Unverständnis, Entsetzen, Trauer. Dislike könnte zwar der kleinste gemeinsame Nenner sein, treffend alle Gefühle in sich vereinen kann der Begriff aber nicht. Ähnlich sieht es übrigens auch Schlecky Silberstein.

Wie könnte Dislike also aussehen?

Gehen wir also davon aus, dass ein System benötigt wird, mit dem User mehr als ein unspezifisches „Mag ich nicht“ ausdrücken können. BuzzFeed ist hier eine Musterschüler. Auf Artikel kann dort „reagiert“ werden. Und wenn Worte nicht passen, helfen ein intaktes und ein gebrochenes Herz dabei, aus dem eigenen keine Mördergrube zu machen.

Die BuzzFeed-Optionen zur Reaktion auf einen Beitrag

Zusammen mit den restlichen Reaktionen kann die Haltung zu einem Thema also beinahe lückenlos ausgedrückt werden. Hausaufgabe gelöst.

Präsentiert Facebook demnächst also eine variable Version des Dislikes? Läuft es vielleicht nicht auf einen Antagonisten zum Like, sondern auf seine Integration in eine Reaktionsmatrix hinaus? Es bleibt spannend.

Keine ABwertung aber eine BEwertung?

Durch die Bewertung einzelner Ausprägungen würden sich für Facebook sicher interessante Insights ergeben, die zur algorithmischen Auslieferung relevanteren Contents führen könnten. Weniger von dem, was wirklich nervt also.

User, die auf einen Artikel zu Donald Trump schockiert reagiert haben, könnten ihren Feed zukünftig toupetfrei erleben. Wer sein Mitgefühl zu einem bestimmten Thema ausdrückt, könnte einen Spendenaufruf zu sehen bekommen. Hat jemand schlechte Laune und stänkert sich mit negativen Reaktionen durch seine Timeline, könnten ihm Artikel über Katzenbabies gezeigt werden.

Eine Bewertung, die Brands nicht global abwertet, sondern deren individuelle Sichtbarkeit beeinflusst bietet unter Umständen interessante Möglichkeiten.

Apropos Abwertung

Eine Variante des Dislike-Button existiert übrigens schon. Zwar versteckt und ohne sichtbare Anzeige der Dislikes im Beitrag an sich, aber dennoch nutzbar und folgenreich. Wer auf eine Fanpage navigiert und dort oben rechts klickt, sieht die Option „Mir gefällt dieser Beitrag nicht“.

Die existierende Gefällt mir nicht-Funktion auf Facebook

Anschließend kann der Grund für das Missfallen angegeben werden.

Das gilt übrigens auch für persönliche Profile:

Begründungsfunktion für die existierende Gefällt mir nicht-Funktion auf Facebook

Was denkst Du über den Dislike-Button? Hältst du ihn für sinnvoll? Wie könnte diese Funktion aussehen? Verrate es uns in den Kommentaren.

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2 Kommentare zu “Wie der Dislike-Button von Facebook tatsächlich aussehen könnte?”

  1. Viktor

    24.09.2015 um 10:29

    Ein typischer Designfehler der Systembauer? Ein Like ist ja im Sinne des Erfinders eigentlich ein „Ich mag den Beitrag“ und nicht das darin behandelte Thema. Wenn im Beitrag Unmut über ein sensibles Thema geäußert wird – wie in „Terrorangst in Texas: Polizei führt Neuntklässler wegen selbst gebauter Uhr ab“ – dann kann man das durchaus mögen, denn man mag ja die Reportage darüber, nicht dass der Neunklässler abgeführt wurde…. usw…

    • Christian Steinbrich

      24.09.2015 um 10:44

      Ja. So könnte es sein. Möglicherweise zählt am Ende aber auch die Wirkung „auf den ersten Blick“. Und zwar in die andere Richtung. Wenn der Bericht über eine Naturkatastrophe mit „Gefällt mir“ quittiert wird, dann kann das ähnlich wirken, als stünde eine Gruppe Menschen mit erhobenem Daumen neben einer Unfallstelle. Dass sie sich eigentlich über den Einsatz der beteiligten Rettungskräfte freuen, käme bei Beobachtern eventuell nicht an. Es könnte also sein, dass Facebook das Missverständnis in dieser Richtung abfedern möchte.

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