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Warum du keine Tools brauchst, um mehr zu leisten und wie du in dem, was du tust, wirklich besser werden kannst

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Es ist mir entfallen, wie viele Tools ich in den letzten 6 Jahren ausprobiert, eine Weile verwendet und schließlich mit großer GleichgĂŒltigkeit links liegen ließ. Aber es mĂŒssen eine Menge gewesen sein. Die Liste der Namen erspare ich dir. Zu lang, zu uninteressant. Es waren Projektmanagement-Tools, ToDo-List-Apps, Automatisierungs-Tools, Social-Media-Scheduler, Notiz-Services und Kommunikations-Apps. Mit manchen fĂŒhre ich bis heute eine On-Off-Beziehung. Mal finde ich sie toll und dann wieder doof. Mit manchen werde ich wiederholt nicht warm und frage mich dann, warum ich sie wieder herausgekramt habe.

121WATT Tools

Was ich mich aber erst nach Jahren des fruchtlosen Geldausgebens gefragt habe: warum nur sind wir so verrĂŒckt nach Tools? Wir Online-Marketer, Projektmanager und Kreativen – was versprechen wir uns davon, die mittlerweile fĂŒnfte ToDo-List-App zu verwenden? Und – viel wichtiger – brauchen wir sie wirklich? Oder wollen wir sie nur?

Worum es eigentlich geht

„Aber wie soll ich als Projektmanager bitte ohne ‚Super Do‘ arbeiten?“.

Es geht hier gar nicht um Super Do, Ultra SEO Suite oder Mega Schedule. Es geht auch nicht darum, ob man gewisse Dinge nur mit einem Tool machen kann. Es geht um die Frage, warum uns jedes neue Tool, das uns eine bessere Performance oder leichtere Arbeit verspricht, in ekstatische VerzĂŒckung versetzt. Und darum, was bei der Arbeit wirklich zĂ€hlt.

Was ist ein Tool?

Tools – Werkzeuge also – stehen uns in Massen zur VerfĂŒgung. Rein konzeptionell können sie uns helfen, mal eine, mal mehrere Aufgaben zu erledigen.

Google Spreadsheets ist ein Tool. Zwar eines fĂŒr viele verschiedene Zwecke, aber ein Tool. Ich kann damit Tabellen kalkulieren, automatisiert Daten sammeln, sogar Texte verfassen.

Textedit fĂŒr Mac ist ebenfalls ein Tool. Damit kann ich Texte schreiben. Ende.

Ich bleibe mal bei Textedit, um etwas detaillierter zu umschreiben, was ich meine. Es ist nicht besonders schön und hat nur wenige Detailfunktionen. Ein Autor könnte Textedit dennoch als zentrales Tool fĂŒr seine Text-Produktion verwenden. Er kann damit nĂ€mlich Texte schreiben. Es hilft ihm, seine Gedanken festzuhalten. Textedit wird so im besten Sinne zu einem Werkzeug.

Wieso kaufen wir ein neues Tool?

StĂ¶ĂŸt unser Beispiel-Autor nun auf einen neuen Text-Editor, der so schick daher kommt wie zum Beispiel Ulysses (das ich als Tool-Opfer selbst verwende), verspĂŒrt er vielleicht das undefinierbare BedĂŒrfnis, es zu kaufen und zu verwenden. Er sieht die Landing-Page, er liest die Bullet-Points und er kauft.

Ich gehe davon aus, dass folgendes passiert, wenn wir ein glitzerndes, neues Tool entdecken:

  1. Wir sehen ein neues Werkzeug, dass uns Funktionen verspricht, die wir bisher so noch nicht genutzt haben.
  2. Wir stellen uns vor, wie diese neuen Funktionen uns schneller, kreativer und produktiver machen.
  3. Wir sind irgendwie davon ĂŒberzeugt, dass wir durch dieses Tool ein besserer Mensch werden.

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Substitute, geschaffene BedĂŒrfnisse und echte Verbesserung

GrundsĂ€tzlich sehe ich drei – mal mehr, mal weniger gute – GrĂŒnde, um ein neues Tool anzuschaffen:

  • Substitution
  • Geschaffene BedĂŒrfnisse
  • Echte Verbesserung

Substitution: Ein Tool, das ein anderes Tool ablöst, ohne einen Mehrwert zu bieten, ist ein Substitut. Es macht im Prinzip nichts anderes als das alte Tool.

Geschaffene BedĂŒrfnisse: Manche Tools lösen Probleme, von denen wir noch gar nicht wussten, dass wir sie hatten. Mit jeder Lösung irgendeines Problems kommen wir unserer Vorstellung von einem besseren Leben aber scheinbar ein StĂŒck nĂ€her. Egal, ob es wirklich ein Problem ist, oder nicht.

Echte Verbesserung: Das Tool ermöglicht uns etwas, dass wir vorher nicht tun konnten und hilft uns so, unsere Arbeit signifikant zu verbessern.

Viele Tools fallen dummerweise in die zweite Kategorie. „Neuer Wein in alten SchlĂ€uchen“ könnte man also sagen.

Ein paar Beispiele:

Der neue E-Mail-Client

Die Versprechen

  • Schneller.
  • Anbindung an die Lieblings-ToDo-App.
  • HĂŒbscher.

Die RealitÀt

  • Ruft E-Mails nur unmerklich schneller ab als Outlook Express oder Apple Mail. Aber die Inhalte bleiben irgendwie dieselben.
  • Die Anbindung an meine Lieblings-ToDo-App spart in der RealitĂ€t lediglich wenige Sekunden pro Tag ein.
  • HĂŒbsch schreibt keine besseren E-Mails (Diese Tipps helfen dabei vielleicht besser).

Der neue Text-Editor

Die Versprechen

  • HĂŒbsch.
  • Distraction-Free-Modus.
  • Wirklich sehr, sehr hĂŒbsch.

Die RealitÀt

  • Man kann damit Texte schreiben.
  • Den Distraction-Free-Modus gibt’s Gratis mit jedem Vollbild.
  • HĂŒbsch schreibt keine besseren Texte.

Das neue Keyword-Recherche-Tool

Die Versprechen

  • Keyword-Recherche ist superleicht.
  • Keywords sind superrelevant.
  • Keywords machen dich reich.

Die RealitÀt

  • Keyword-Recherche ist nicht leichter als mit dem Google Keyword-Planner.
  • Die Keywords sind nicht relevanter als mit dem Google Keyword-Planner.
  • Die Keywords machen dich nicht durch ihre pure Existenz reich. Übrigens auch genau wie beim Google Keyword-Planner.

Mir fallen noch mehr Beispiele ein. Denn ich habe mehr Tools gekauft und abonniert, als es schlau gewesen wÀre.

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NatĂŒrlich gibt es EinschrĂ€nkungen. Manche Tools liefern Daten, die man beim besten Willen nicht ohne sie erhalten kann. Einige nehmen uns komplexe Prozesse ab, die zu viel Zeit kosteten, wĂŒrde man sie selbst durchlaufen. Einem SEO nimmt man also gefĂ€lligst nicht sein SISTRIX weg und einem Content-Schreiber ĂŒberlĂ€sst man mangels Alternativen zur RechtschreibprĂŒfung sein Microsoft Word.

Bei vielen andere Tools, die also nicht in die Kategorie „brauche ich zum Atmen“ fallen, kann man aber durchaus die Sinnfrage stellen.

Die unangenehme Wahrheit

Der Boden der Tatsachen ist hart und kalt. Setzen wir uns trotzdem.

You do not win in a big fight by any patent device. (Theodore Roosevelt)

Die Mehrzahl der Tools, die wir verwenden, verbessert maximal Nuancen. Es gibt nur sehr wenige Game-Changer. Wir sparen einige Sekunden oder Minuten, ein paar Cent oder Euro und erhalten Daten mit ein wenig mehr Relevanz.

Jetzt kommt der harte Teil. Wenn alle Golfspieler dieser Welt dasselbe, perfekte Set an Eisen verwenden, entscheidet am Ende das Können ĂŒber den Sieg. Oder anders: Ein guter Golfspieler schlĂ€gt einen schlechten Golfspieler selbst mit verrostetem Schrott.

Was zĂ€hlt, sind die FĂ€higkeiten, die uns qualifizieren, unseren Job zu machen. Ein Texter wird keine besseren Texte schreiben, wenn er ein Ulysses statt eines MS Word verwendet. Was den Texter zu einem besseren Autor macht, ist seine FĂ€higkeit, fesselnde und hilfreiche Texte zu verfassen. Ein Content-Marketer hat keine besseren Ideen, weil er Pocket statt Instapaper einsetzt. Er hat bessere Ideen, weil er die FĂ€higkeit zum Transfer besitzt und so beim Lesen eines Science-Fiction-Romans das Thema fĂŒr seinen nĂ€chsten Artikel findet.

Wie du tatsĂ€chlich GrĂ¶ĂŸeres leisten kannst

Arbeite an deinen Skills und nicht an der Anzahl der Tools, die nutzlos auf deiner Festplatte herumliegen. Stell dir vor, alle Profis deiner Zunft verwenden dieselben Tools. Frage dich dann, was dich unter dieser Voraussetzung in die Lage versetzt, deinen Job besser zu machen. Warum dieses Gedankenspiel? Weil in diesem Szenario die einzige Unterscheidungsmöglichkeit in deinen persönlichen FÀhigkeiten und UmstÀnden liegt.

Bist du ein Content-Marketer, verbessere deine Kommunikation, entdecke und steigere deine KreativitĂ€t und schule deinen Blick fĂŒr ZusammenhĂ€nge, die andere nicht sehen.

Schreibst du Texte, erweitere deine Ausdrucksmöglichkeiten durch das Lesen von den besten deiner Zunft oder völlig fachfremden Autoren.

Optimierst du fĂŒr Suchmaschinen, schule deine analytischen FĂ€higkeiten, sorge dafĂŒr, dass du immer up-to-date bist, feile an deiner Problemlösungskompetenz und baue deine Technik-Skills aus.

Bist du Webentwickler, schule deinen Blick fĂŒr Trends und Techniken, eigne sie dir an und setze sie so bereits ein, wenn andere sie gerade erst entdecken.

Tools helfen dir dabei, indem sie dir die nötigen Informationen zuliefern oder umstÀndliche Prozesse vereinfachen, damit du deine wahren Talente ausspielen kannst. Denn die machen dich letztlich zu dem Profi, der du bist. Diese Wahrheit immer im Hinterkopf zu haben bewahrt dich auch davor, Geld auszugeben, das anders besser angelegt wÀre.

Kennst du jemanden, der regelmĂ€ĂŸig versucht, dich mit neuen Tools zu missionieren? Vielleicht hilft dieser Artikel Euch beiden.

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